Bickell, Gustav - Psalm 17 (16)

Bitte um Schutz vor weltlich Gesinnten.

Herr, hör' mein Recht an,
Beacht' mein Schreien!
Vernimm mein Beten,
Nicht Trugeslippen!
Gericht ergehe
Von Deinem Antlitz;
Auf Recht lass schauen,
Herr, Deine Augen!

Wenn Du mein Herz prüfst,
Es Nachts durchforschest,
Wirst rein mein Denken,
Mein Wort Du finden.
Trotz bösem Beispiel,
Treu Deinem Worte,
Hab' ich gemieden
Den Pfad des Frevlers.

Mein Schritt befolgte
Stets Dein Geleise;
Mein Fuß nie schwankte
Auf Deinem Wege.
Mein Gott, Dir ruf' ich;
Denn Du erhörst mich.
Neig' mir Dein Ohr zu,
Hör' an mein Flehen!

Hilf wundergnädig,
Du Retter frommer,
Die Deiner Hand Schutz
Vor Drängern suchen!
Wahr' mich dem Aug' gleich,
Des Auges Apfel;
Mein Schutz und Schatten
Sei'n Deine Flügel!

Entreiß mich Frevlern,
Die mich bedrängen,
Der Gier der Feinde,
Die mich umkreisen!
Ihr Herz, gefühllos,
Kennt kein Verschonen;
Aus Hochmut quellen
Des Mundes Worte.

Auf Schritt und Tritt schon
Sie uns umringen;
Ihr Auge trachtet,
Uns hinzustrecken.
Sie gleichen Löwen,
Nach Raub sich sehnend,
Dem Jungleu'n lauernd
Im Waldesdickicht.

Herr, erheb' Dich,
Greif an und beug' sie,
Mein Leben rette
Von diesen Frevlern,
Die Erdenleben
In Weltsinn wählen,
Und die Du sättigst
Mit Deinem Vorrat!

Von Glück gesättigt,
Und reich an Söhnen,
Vererben Kindern
Sie ihren Reichtum.
Doch ich will schauen
Gerecht Dein Antlitz,
Erwacht mich sätt‘gen
An Deinem Glanze!